Get your Shrimp here

Purple Zebra Shrimps

wklotz

GF-Mitglied
Mitglied seit
08. Mai 2006
Beiträge
330
Bewertungen
145
Punkte
10
Garneleneier
6.108
Hallo Garnelenfreunde!

Hallo Garnelenfreunde!

Christian hat mir ausgelöste durch die Diskussion hier: http://www.garnelenforum.de/forum/viewthread.php?forum_id=7&thread_id=14027&pid=106650
eine schöne Sammlung von in Alkohol konservierten Purple Zebra Shrims zur Identifizierung geschickt! Hervorragendes Material Christian, vielen Dank dafür!
Ich habe ja schon in diversen Foren meinen Zweifel geäußert, dass es sich bei diesen Tieren wirklich um Caridinas bzw. sogar um Zwerggarnelen im engeren Sinn (Familie Atyidae, Caridinen) handelt.
In einem englischsprachigen Forum habe ich vor etwa einem Jahr schon einmal den Verdacht geäußert, es könnte sich vom Körperbau her um einen Vertreter der Knallkrebse (Alpheidae) handeln.
Bereits ein erster Blick auf die nun untersuchten Tiere bestätigt nun meinen Verdacht:
Die Tiere besitzen ein sehr kurzes Rostrum, und die beiden Scherenpaare tragen Scheren, welche eher jenen von kleineren Palaemoniden gleichen, als den mit Borstenpinseln versehenen Scheren der Zwerggarnelen.

Rostrum.JPG


Rostrum

P1.jpg


Erstes Scherenbein

Das zweite Scherenpaar weist aber einen in 5 Segmente unterteilten Carpus auf, ein Merkmal, dass unmissverständlich auf die Überfamilie Hippolytidea und hier auf die Familien Hippolytae oder Alpheidae hinweist.

P2.jpg


Die nähere Ausformung des Carapax und der Scherenbeine lässt mich an die Gattung Potamalpheops denken, eine in den küstennahmen Meeren und Mangrovensümpfen Indonesiens mit mehreren Arten beheimateten Gattung von Salzwassergarnelen.
Eine genauere Zuordnung auf Artniveau ist mir zurzeit nicht möglich, da ich mich mit den das Meer bewohnenden Garnelenarten nicht näher beschäftigt habe. Ich werde aber versuchen, einen Experten zu finden, der diese Tiere ev. näher besstimmen kann.
Wenn ich hier dezitiert von das Meerwasser bewohnenden Tieren spreche, kann ich natürlich ohne genaue Zuordnung dieser Tiere nicht ausschließen, dass die Tiere ev. doch aus einem meernahem Süßwasser- oder Brackwasserhabitat stammen. Es ist in dieser Gattung im indopazifischen Bereich aber bisher nur eine einzige Art (P. amnicus) bekannt, welche in reinem Süßwasser vorkommt. Die meisten Arten leben in salzigen Mangrovensümpfen und Brackwassergebieten der Mündungsgebiete.

Soweit erstmal

Werner
 
Hallo Werner,

vielen Dank für den ausführlichen Bericht.

Auch wenn die genaue Zuordnung noch nicht klar ist, ist es durchaus sehr interessant zu wissen, dass viele Körperteile auf eine Art hinweisen die möglicherweise in eine ganz andere Familie gehört.

Ich bin wirklich gespannt ob du jemanden findest, der die Tiere näher eingruppieren kann.

Sollten die Tiere tatsächlich aus dem Brack- bzw. Seewasserbereich kommen, würde dieser Fakt wohl auch die hohe Sterberaten der Importe erklären.
 
Hallo Werner!

Sehr interessanter Bericht, bin mal gespannt, wozu Dein Ergebnis führt.

Leider sind die Informationen zu den "Purple Zebra Shrimps" ja sehr spärlich.

Bei den Knallkrebschen kenn ich mich schon wieder bissl besser aus.. Hatte immerhin das Glück mir mal mit Lebensgestein welche eingeschleppt zu haben.

Sind bei den Purple Zebras die Scheren auch wie bei den Alpheidaen stark vergrößert?
Sind die Augen auch unter dem Carapax verborgen?

Sorry, wenn ich so blöde frage, aber Dein Bericht hat echt Interesse geweckt, da ich die Purples nicht kenne.

LG, Phil
 
Hallo Werner,

erst einmal danke für den ausführlichen Bericht. Das ich dir genügend Material zur Verfügung stellen konnte, war ja leider kein Problem.

Also ist meine Befürchtung, dass die Tiere salziges Wasser benötigen, deutlich wahrscheinlicher geworden.

@Phil: Die Augen liegen außerhalb des Carapax und sind relativ groß im Gegensatz zum äußerst kleinen Tier. Nach meinen Beobachtungen sind die Tiere nachtaktiv. Die Scheren sind zumindest so klein, dass sie ohne Lupe eigentlich gar nicht, bzw. nur bei genauem Hinsehen erkannt werden.
 
N´Abend,

@Werner. Ich danke dir natürlich ebenfalls für deine Informationen und hoffe, daß du in naher Zukunft Einzelheiten mit Hilfe von den interessieten Menschen aus der Szene zu diesen Tieren mitteilen kannst.

Von meiner seite könnten vielleicht folgende Informationen hilfreich sein.

Ich habe beim Großhändler in Holland ca. 150 Tiere mitgenommen (Stimmt doch Chris, oder? :noidea )
Die Leute dort haben uns schon da gesagt, daß es den Tieren nicht gut gehe. Trotzdem haben wir zu Forschungszwecken Tiere mitgenommen. Es sind etliche Tiere in meinen Becken verstorben. Ein kleiner Trupp von ca. 30 Tieren haben bisher überlebt. Aufgrund der Größe dieser Garnelen und der Futterverweigerung (Habe normales grobes Granulat Garnelenfutter von AquaBoesel und Shirakuraplättchen verfüttert) setze ich seit 1,5 Wochen auf Staubfutter der beiden Hersteller.
Es scheint das Sterben aufgehalten zu haben. Anscheinden nehmen sie nur feinses Futter an. Wasserwechsel habe ich noch nicht gemacht. Sie leben in 260?S und PH 7,6.
 
Hallo zusammen,

auch meine PZS sind mitlerweile leider alle verstorben. Ich hatte angefangen mein Wasser weicher zu machen und es hat nichts gebracht.

Ich denke die die noch welche haben sollten ihr Wasser ausalzen.
 
Hallo Leute!


@Phil:
formosa schrieb:

Sind bei den Purple Zebras die Scheren auch wie bei den Alpheidaen stark vergrößert?
Sind die Augen auch unter dem Carapax verborgen?

Nein, die Scheren sind bei Tieren dieser Gattung nicht vergrößert. Das erste Scherenbein ist etwas gedrungener als das zweite. Bilder davon habe ich oben gepostet.
Die Augen sind bei diesen Tieren auch nur teilweise vom Carapax verdeckt (ist immer eine deninitionsfrage), die Augenstile sind rel. kurz und seitlich am Augenrand sitz ein breiter Zahn, der das Auge seitlihc etwas verdeckt.

@Stephan:
Ich bin wirklich gespannt ob du jemanden findest, der die Tiere näher eingruppieren kann.

Jemanden zu finden der das kann dürfte nicht so schwierig sein. So viele Wissenschaftler gibt es weltweit nicht, die sich taxonomisch mit diesen Tieren beschäftigen.
Schwieriger dürfte es sein, jemanden zu finden, der in absehbarer Zeit ein Ergebnis liefert!
Die Wissenschaftler denken da eher in Jahren, wenn es darum geht, solche Tiere zu untersuchen. D.h. wenn ich die Tiere an irgend jemand schicke, kann es gut sein, dass die Tiere erstmal ein Etikett verpasst bekommen und in einer Museumssammlung landen, um dann irgendwann, wenn es mal "zum Thema" passt, bearbeitet zu werden.
Davon haben aber die Aquarianer, welche die Tiere jetzt in ihren Beken sintzen haben und wissen möchen, bei welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden sollten wenig...
Mal sehen. Heute bin ich wieder auf der Uni und werde eine Literatursuche machen um zu sehen, wer aller in den letzten Jahren an Tieren dieser Gattung oder zumindest Familie gearbeitet hat.


@Christian:
Also ist meine Befürchtung, dass die Tiere salziges Wasser benötigen, deutlich wahrscheinlicher geworden.

Wahrscheinlicher schon. Auch die Ausbildung der Schreitbeine, hier habe ich aber noch kein Bild eingestellt, lässt darauf schließen, dass die Tiere aus einem sumpfigen Gewässer mit weichem Bodengrund stammen. Für die Fortbewegung auf harten Grund in einem schnell fließenden Gewässer sind solche Schreitbeine, vor allem die auffallend langen, nadelförmigen Endkrallen wenig geieignet.
Das ist bei den Zwerggarnelen genau gleich. Tiere aus den Bergbächen wie die Hummeln, Bienen etc. oder Neocaridinas zeigen immer kurze, kräftige Endkrallen. Tiere aus langsamfließenden, schlammigen Gewässern oder Brackwassergebieten wie Die Nashorngarnelen, weisen viel gracilere Schreitbeine auf.

Aber wie schon oben geschrieben. Zumindest eine Art dieser Gattung (ich gehe mal davon aus, dass ich die Tiere bis hierhin richtig zugeordnet habe, wenngleich das noch zu überprüfen ist) kommt auch in reinem Süßwasser vor. Unter welchen Bedingungen kann ich aber zur Zeit nicht beantworten. Wenn ich die Literatur dazu gekauft habe, kann ich ev. näheres berichten.
Da ist ja auch noch die Aussage von Marco in einem anderen Forum, dass die Tiere aus einem kleinen Bach auf Sulawesi stammen sollen. Deshalb:
@Marco: Könntest du bei deiner Infoquelle in Fernost noch mal nachbohren, ob sie genauere Infos dazu liefern können, aus welchem Bach, welchem Mangrovensumpf oder zumindest aus welchem Teil von Sulawesi die Tiere stammen.
Diese Info wäre auch für die Wissenschaftler, wenn ich die Tiere weiterleite höchst interessant und könnte das Interesse an den Tieren bei diesen Leuten, und damit das Tempo mit dem die Tiere bearbeitet werden nicht unerheblich steigern ;-)

mfg
Werner
 
Hallo,

meine Purples leben mittlerweile in einem filterlosen 60l Becken, ich habe das Wasser auf den LW von 1500 aufgesalzen,
es scheint denen soweit gut zu gehen, ich kann immer noch gelbliche bis grünliche Eiflecken im Nacken erkennen,
schwangere Weibchen kann ich bisher nicht betrachten, seitdem das Becken filterlos ist, sind sie auch etwas
aktiver geworden, Strömung mögen sie anscheinend überhaupt nicht. Füttern tue ich nur selten, da Fadenalgen und alte
Blätter in dem Becken vorhanden sind, und alles Futter bisher nicht gerne angenommen wurde, daher gehe ich davon
aus, das die wohl nicht hungern.

Schöne Grüße

Chris
 
Hallo,
nach Sichtung einiger Fotos (soweit dies möglich ist) würde ich Werner bei der Vermutung Potamalpheops zustimmen. Die Gattung ist überschaubar, m.W. sind 14 Arten bekannt. Die 4 westafrikanischen und 1 mexikanische dürften ausscheiden ;-) Quasi einzigste reine Süßwasserart ist neben dem mexikanischen Höhlentier wie schon gesagt P. amnicus aus Malaysia/Singapur. Alle übrigen bewohnen brackige Mangrovenbereiche oder anchialine Höhlen.
Auf den Fotos (und dem von Werner) ist ein sehr kurzes Rostrum zu erkennen, damit engt sich m.M. der Kreis auf P. galle (Sri Lanka), P. amnicus und P. palawanensis (Philippinen ein. Interessant wäre von den groben Merkmalen die Ausbildung der Uropodenfalte und des Telsons.
Literatur zur Gattung ist vorhanden und wenn Werner Tiere hat sollte sich die Purple Zebra auch zuordnen lassen. Allerdings ist aus Sulawesi selbst kein Fund bekannt.
viele Grüße
Andreas
 
weisser Tiger schrieb:
Alle übrigen bewohnen brackige Mangrovenbereiche oder anchialine Höhlen.

Ich stimme Werner und Andreas voellig zu, vor allen Dingen Andreas' obige Vermutung. Bei mir hat sich schon seit geraumer Zeit der Verdacht erhebt, dass diese Tiere aus anchialinen Gewaessern (nicht nur Hoehlen) kommen koennten. Ich habe hier naemlich eine kleine Gruppe Metabeaeus lohena aus Hawaii (auch anchialine "Knallkrebse" die der Alpheidae angehoeren) und die aeusserlichen Aehnlichkeiten zwischen M. lohena und den "purple Zebra" Garnelen sind nicht aus der Hand zu weisen. Die kleine Augen zeugen ja schon davon, dass diese Tiere aus dunklen Habitaten kommen (also entweder Hoehlen oder Nachtaktiv/unter Steinen und Wurzeln lebend). Das sieht man auch sehr schoen bei sonst nicht verwandten Arten wie die Halocaridina rubra und vor allen Dingen Euryrhynchus sp.. Dass die Tiere keine Atyiden (also unter anderem Caridina spp., Neocardidina spp. usw) war mir eigentlich sofort klar, denn auch ohne Mikroskop kann man die kleinen Scheren (un den Koerperbau/Kopfbereich) ganz gut sehen. Vielen Dank aber an Werner und Andreas fuer die Bestaetigung und fuer ihre fortlaufende Suche nach der Artzugehoerigkeit dieser Tiere. :)

Ich werde mal versuchen diese Tiere parallel in Suesswasser (mein Leitungswasser hier hat einen Leitwert von ca. 900-1000 microsiemens/cm) und Brackwasser, ca. 17 ppt, (mit meinen H. rubra) zu halten um zu sehen wie das mit der Zucht klappt. Meine Tiere werden irgendwann diese Woche ankommen. Ich werde dann mal in den naechsten paar Monaten weiter berichten, vorausgesetzt die Tiere kommen hier in guter Verfassung an und krepieren nicht sofort (wie das bei Wildfaengen leider oft der Fall sein kann).

Uebrigens gibt es diese Tiere schon seit 2004/2005 (so um den Dreh) auf dem "Markt." Interessant ist auch, dass ein "Zuechter" aus Taiwan, der hier (USA) seine Tiere auktioniert behauptet, diese Tiere im Suesswasser zu zuechten. Da muss ich mal ein bisschen nachbohren, denn wie wir wissen behaupten Leute eine ganze Menge wenn der Tag lang ist. ;) :roll Der Mensch aus Malaysia, der auch diese Tiere im Internet verkauft, wollte meine Frage nach ihrer Herkunft nicht beantworten. Er hat die Frage einfach ignoriert.

Bis dann,
Mustafa
 
Hallo Leute!

weisser Tiger schrieb:
Interessant wäre von den groben Merkmalen die Ausbildung der Uropodenfalte und des Telsons.

Bilder davon liegen seit heute früh im ftp.
Die bestellte Erstbeschreibung von P. amnicus ist noch nicht geliefert worden, ev. habe ich sie bis abends.
An der Gattungszugehörigkeit, ja sogar der Zugehörigkeit zur P. monodi Artengruppe dürfte kaum mehr Zweifel bestehen, als Potamalpheops sp. kann man die Tiere denke ich schon mal bezeichnen.


@Mustafa:
Ich werde mal versuchen diese Tiere parallel in Suesswasser (mein Leitungswasser hier hat einen Leitwert von ca. 900-1000 microsiemens/cm) und Brackwasser, ca. 17 ppt, (mit meinen H. rubra) zu halten

Ja, bitte halte uns auf dem laufenden. Chris (Chrismuenster) hat ja auch eine Brackwasserhaltung im Versuch laufen.
Wir wissen aber auch von anderen Süßwasserarten aus den Gewässern von Sulawesi, dass diese, zumindest die Arten aus den Zentralseen, sehr schwer bis gar nicht im Aquarium zu halten sind.

Der Mensch aus Malaysia, der auch diese Tiere im Internet verkauft, wollte meine Frage nach ihrer Herkunft nicht beantworten. Er hat die Frage einfach ignoriert.

Malaysia oder Singapur? Die Dame von Garfishindo meinte gestern, sie hätte die Tiere selber auf Sulawesi gefangen. Von ihr stammen auch die nicht ganz zweifelsfreien Angaben über weiches, leicht saures Wasser. Zur Zeit seien die Gewässer aus denen die Tiere stammen aber (Trockenzeit) zum Großteil ausgetrocknet. Mal sehen, ob ich ihr nicht doch eine genauere Angabe, aus welchem Teil der Insel die Tiere stammen entlocken kann.

So long
Werner
 
Hallo Werner,

Meine Garnelen kommen nicht von Garfishindo (jedenfalls nicht direkt). Meine Garnelen kommen direkt aus Malaysia. Was Exporteure einem so erzaehlen darf man, wie Du ja weisst, normalerweise nicht so ernst nehmen. Die erzaehlen einem manchmal bewusst Maerchen (ganz ausfuehrliche sogar), so dass andere Leute nicht herausfinden, wo sie ihre Tiere herbekommen. Es koennte natuerlich auch sein, dass diese Art noch nicht wissenschaftlich beschrieben ist und doch aus Sulawesi kommt. Da diese Gattung eine sehr alte ist und deswegen eine ungewoehnliche Verbreitung hat, koennte es natuerlich auch sein, dass Sulawesi sich als ein neues Vorkommensgebiet einer existierenden Art herausstellt.

Das irgendeine existierende Garnele sehr schwer haltbar oder sogar "unhaltbar" ist bezweifle ich mal...das betrifft mit Sicherheit auch die Garnelen aus den Zentralseen Sulawesis. Das Problem mit "unhaltbaren" Garnelen ist, dass sie in elendiger Verfassung in Deutschland (oder den USA) ankommen und so quasi vorgeschaedigt sind. Im Gegensatz zu Fischen erholen sich Garnelen normalerweise nicht voellig vom Fang- und Importstress. Normalerweise versucht man bei Importtieren so schnell wie moeglich Nachwuchs zu bekommen (was nicht immer gelingt) bevor die Alttiere das Zeitliche segnen. Wie Du auf vielen Fotos auf der Crusta10 Webseite sehen kannst, unter anderem bei den Tieren aus Sulawesi, sind die Garnelen fast halb tot und brauchen fast schon Kruecken wenn sie letztendlich bei Chris im Fotobecken landen. Ich denke einfach, dass einige Garnelenarten in dieser Hinsicht einfach viel sensibler sind als andere. So auch die Tiere aus Sulawesi.

Wie auch immer, ich habe mich mal kurz in einem Teil der Fachliteratur umgesehen. Demnach gibt es aktuell 14 Potamalpheops Arten. 4 aus Afrika, 1 aus Mexico (welche hier als Kandidaten, aus rein geographischer Sicht, sofort auscheiden) und 9 aus dem Asiatisch-Australisch-Pazifischen Bereich. Das sind:

P. galle (Sri Lanka)
P. amnicus (Singapur, Malaysia)
P. darwiniensis (Australien)
P. hanleyi (Australien)
P. johnsoni (Singapur)
P. miyai (Indonesien, Philippinen)
P. palawanensis (Philippinen)
P. pininsulae (Neukaledonien)
P. tigger (Singapur, Australien)

Wenn man rein geographisch einen Identifikationskandidaten sucht, dann muesste man sich, nach allen Informationen, auf P. amnicus, P. johnsoni, P. miyai und P. tigger konzentrieren, da sie im ungefaehrem Gebiet vorkommen, wo unsere "purple zebras" auch herstammen sollen. Allerdings scheiden P. amnicus, P. johnsoni und P. tigger schon im vornherein als Kandidaten aus. Alle haben Rostren die ueber die Augen hinausragen..also relativ lange Rostren. Obwohl die Literatur von der Variabilitaet der Rostren bei manchen Potamalpheops Arten spricht, besitzen die oben genannten Arten alle lange Rostren die ueber das Auge hinausragen ( so von oben oder von der Seite betrachtet)...manchmal ein bisschen laenger, manchmal ein bisschen kuerzer, aber lang sind sie immer.

Nur P. miyai hat ein extrem kurzes Rostrum wie unsere "purple Zebras." (Obwohl mir das Rostrum der purple Zebras noch ein tick kuerzer erscheint als bei P. miyai). Und das wird auch als Unterscheidungsmerkmal in der Literatur beschrieben.

Das einzige Problem ist, dass P. miyai in Mangrovengebieten im Meer- und Brackwasser (vermutlich mit hoeherem Salzgehalt, wegen der Mangroven) vorkommt. Das bedeutet natuerlich nicht sofort, dass sie sich nicht an *fast* Suesswasser (sprich..sehr hoher Leitwert ca. 900+) anpassen koennten, aber ich finde es unwahrscheinlich. Ein Bild von P. miyai wuerde jetzt Baende sprechen. Auch Informationen ueber die Eigroesse waeren interessant, da die "purple zebras" sehr grosse Eier haben. Ich muess mir mal irgendwo die Erstbeschreibung von P. miyai besorgen.

Wie gesagt koennte es sich hier um eine neue Art oder sogar eine neue, der Potamalpheops nahestehende, Gattung handeln. Das waere nicht ueberraschend, da die meisten Potamalpheops Arten erst in den letzten 10 Jahren (so um den Dreh) entdeckt wurden. Fuer einen langen Zeitraum galt Potamalpheops als eine rein Afrikanische Gattung.

Sorry, dass ich keine Literaturangaben gemacht habe, aber ich bin jetzt einfach ein bisschen zu faul nach der ganzen Lesearbeit. :P Das kann ich aber bei Nachfrage gerne Nachholen. Hier uebrigens ein Lebendfoto einer Potamalpheops Art (P. tigger):

1019.jpg




Bis dann,
Mustafa
 
Hi,

hm, leider kann ich keine bilder zu p.miyai finden...außer das hier....

http://rmbr.nus.edu.sg/rbz/biblio/54/54rbz245-270.pdf

Die Zeichnungen sehen aber recht ähnlich aus finde ich....

Schöne Grüße

Chris
 
Hallo Mustafa,

Allerdings scheiden P. amnicus, P. johnsoni und P. tigger schon im vornherein als Kandidaten aus. Alle haben Rostren die ueber die Augen hinausragen.


kleiner Einspruch ;)
Die Rostren von P. amnicus und P. palawanensis sind nach Anker 2005 relativ variabel und können sehr kurz sein. Richtig, sie ragen über die Augen hinaus (im Gegensatz zu Werners Foto). Das könnte aber noch innerhalb einer gewissen Bandbreite liegen. Na mal schauen, was wird.
viele Grüße
Andreas
 
weisser Tiger schrieb:
Hallo Mustafa,

Allerdings scheiden P. amnicus, P. johnsoni und P. tigger schon im vornherein als Kandidaten aus. Alle haben Rostren die ueber die Augen hinausragen.


kleiner Einspruch ;)
Die Rostren von P. amnicus und P. palawanensis sind nach Anker 2005 relativ variabel und können sehr kurz sein. Richtig, sie ragen über die Augen hinaus (im Gegensatz zu Werners Foto). Das könnte aber noch innerhalb einer gewissen Bandbreite liegen. Na mal schauen, was wird.
viele Grüße
Andreas

Hallo Andreas!

Kleiner Einspruch abgelehnt! ;)

In Anker 2005 steht auch, dass diese Variationen bei P. amnicus und P. palawanensis sehr gering sind und nicht die Bandbreite wie zum Beispiel bei P. tigger erreichen. Die Rostrumvariabilitaet bei P. tigger kann man hier ganz gut sehen (Anker 2003):

Ptiggerrostra.jpg


Man sieht ganz klar, dass das Rostrum immer ueber die Augen hinausragt. Mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Das ist bei P. amnicus und P. palawanensis aehnlich, aber die Variationen sind noch geringer ausgepraegt. Bei den "purple zebra" Garnelen ist das Rostrum eigentlich immer extrem kurz und ragt nie ueber die Augen hinaus. Das ist kaum Variablitiaet. Das ist meine Erfahrung und das kannst Du auch an verschiedenen Bildern im Internet gut sehen. Fuer mich steht fest, dass die "purple zebras" nicht P. amnicus oder P. palawanensis sein koennen.

Recherchieren wir mal alle fleissig weiter. :)

Bis dann,
Mustafa
 
Hallo Mustafa!


Mustafa schrieb:

Allerdings scheiden P. amnicus, P. johnsoni und P. tigger schon im vornherein als Kandidaten aus. Alle haben Rostren die ueber die Augen hinausragen..also relativ lange Rostren.
Nur P. miyai hat ein extrem kurzes Rostrum wie unsere "purple Zebras." (Obwohl mir das Rostrum der purple Zebras noch ein tick kuerzer erscheint als bei P. miyai). Und das wird auch als Unterscheidungsmerkmal in der Literatur beschrieben.

Diesen Satz hat Andreas ja gestern schon beeinsprucht. Auch das Rostrum von P. amnicus ist sehr kurz. Zumindest bei den in der Erstbeschreibung angeführten Exemplaren. Auch in anderen Merkmalen scheint diese Art sehr nahe bei unseren Tieren zu liegen.
Dazu kommt, und jetzt beginnen Spekulationen meinerseits, die etwas in die selbe Kerbe schlagen wie du in deinem ersten Absatz ;) :
Die Vorkommen von P. amnicus liegen nicht weit enfernt vom Standort der Fa. Garfishindo. Lt. den Angaben deren Mitarbeiterin hat diese diese Tiere ja selbst gefangen und schildert detailreich die Verhältnisse im Habitat der Tiere (ohne sich aber zum Fundort zu äußern). Diese stimmen auffallend mit den Angaben zum Habitat von P. amnicus von Yeo & Ng überein. Natürlich könnten die Tiere in Sulawesi in ähnlichen Biotopen leben wie P. amnicus in Singapur. Nur, auch ich betrachte diese Herkunftsangabe mit entsprechender Vorsicht!
Die Purple Zebra Shrimp ist sicher in die unmittelbare Nähe dieser Art zu stellen, um abzuklären ob sie dieser angehört, oder einer bisher unbeschriebenen Art aus der gleichen Artengruppe muss ich aber erst mehrere Tiere im Detail untersuchen und vermessen und ev. Kontakt mit Arthur Anker aufnehmen. Wohl der einzige Wissenschaftler, der sich zur Zeit näher mit diesen Tieren beschäftigt.
Dazu brauche ich aber etwas Zeit.
Ich habe bislang aus zeitlichen Gründen nur ein einziges Tier untersuchen können und dieses auch nur in der "Übersicht". Bei dieem fand ich aber kleine Unterschiede zu P. amnicus etwa in der Eigröße (0,6-7,0x0,4 mm vs. 1,2x0,9mm bei P. amnicus) oder der distalen Bedornung des Telson.
Das ist aber an einer größeren Anzahl von Tieren noch zu bestätigen!


Auch Informationen ueber die Eigroesse waeren interessant, da die "purple zebras" sehr grosse Eier haben. Ich muess mir mal irgendwo die Erstbeschreibung von P. miyai besorgen.

Wie gesagt, die Eigröße liegt mit 0,6-0,7x0,4 mm im mittlerne Bereich, also etwa wie bei A. desmaresti. Für P. miyai wird in der Erstbeschreibung auch keine Eigröße angegeben. (brauchst du dir nicht zu besorgen, habe ich gestern geliefert bekommen, schicke ich dir zu). Diese Art kann man aber aufgrund der Ausbildung des Telson und der Uropodenfalte ausschließen.
Die Lebendfärbung beschreiben Yeo&Ng auch als anders.

Wenn ich erstmal einige Tiere vermessen habe, werden wir mehr wissen.

So long
Werner
 
Hallo Werner,

Danke fuer die Arbeit von Yeo und Ng. Nach dem lesen der Erstbeschreibung von P. amnicus und dem Studieren der Diagramme schliesse ich mich Dir und Andreas an und denke nun auch, dass unsere "purple zebra" P. amnicus oder eine aehnliche, vielleicht sogar noch nicht beschriebene, Art sein koennte (vor allen Dingen fallst sie wirklich aus Sulawesi stammen). Die Beschreibung der Lebendfaerbung von P. amnicus scheint ja zu passen und auch das Rostrum wird als extrem kurz und von der Seite gesehen als vom Auge verdeckt beschrieben, und auch im Diagramm gezeigt. Was mich vorher verwirrt hatte war die "Kopfstudie" von P. amnicus in Anker 2005:

Pamnicus.jpg


Hier sieht man deutlich ein relativ langes Rostrum, welches weit ueber die Augen hinausreicht. Da passt nun ueberhaupt nicht zur Erstbeschreibung von P. amnicus. Ich denke mal Anker wollte einfach nur zeigen, dass die Rostrumlaenge von P. amnicus doch sehr variabel sein kann. Allerdings habe ich solch lange Rostren bei den purple zebras nie gesehen.

Naja...warten wir mal ab bis Du noch mehere Vermessungen durchgenommen hast. Das die Eigroesse der purple zebras nicht unbedingt genau der von P. amnicus entspricht muss nicht viel bedeuten. Teils extreme variationen sind von anderen Arten ja auch bekannt. Verschiedene Anzahl von Larvenstadien wuerde schon viel mehr bedeuten.

Uebrigens, was meinst Du eigentlich damit, dass Garfishindo nicht weit vom Verbreitungsgebiet von P. amnicus entfernt ist? Garfishindo ist doch auf der Insel Java in Indonesien. Das ist ein ganzes Stueck von Singapur udn Malaysia (und auch von Sulawesi) entfernt. Habe ich da etwas verpasst?

Bis dann,
Mustafa
 
Mustafa schrieb:

Uebrigens, was meinst Du eigentlich damit, dass Garfishindo nicht weit vom Verbreitungsgebiet von P. amnicus entfernt ist? Garfishindo ist doch auf der Insel Java in Indonesien. Das ist ein ganzes Stueck von Singapur udn Malaysia (und auch von Sulawesi) entfernt. Habe ich da etwas verpasst?

Nein, war ein Fehler meinerseits. Ich hatte in Erinnerung, dass die Dame in ihrer email meinte, sie säße in Singapur. Hab jetzt aber noch mal nachgesehen, stimmt nicht.

mfg
Werner
 
hallo spezialisten,

aber was heißt das jetzt eigentlich in der zusammenfassung???

1. kann mann die nun in normalem wasser halten oder brauchen die brack oder salzwasser????
2. sind die dann überhaupt zu vermehren?

vg rené
 
Hallo René,

nicht soviele Fragezeichen verwenden. Nicht das die bald aus sind ;) Mal im Ernst: Das kommt immer so rüber als ob man hier "rumschreien" würde.

zu 1)
Es wurden nun schon an vielen Stellen hier im Forum beschrieben, dass die Tiere bei der Haltung im Süßwasser nach und nach sterben. Aus diesem Grund glaube ich auch kaum, dass man die Tiere im Süßwasser (ich denke das meinst du mit "normalem Wasser") halten sollte.

zu 2)
Ob die Tiere vermehrbar sind oder nicht bleibt abzuwarten. Aufgrund der sehr hohen Sterblichkeitsraten im Süßwasser wird aber wohl sicherlich Brack- oder Seewasser zur Nachzucht benötigt. Mit neuen Tieren, über deren genaue Herkunft und deren Ansprüche noch nichts bekannt ist, muss man einfach ganz nach dem Motto "Learing by doing" handeln. Das kann jeder von uns machen und mit ein paar wenigen Tieren. So kann man auch realtiv schnell herausfinden welche Ansprüche die Tiere haben ;)
 
Zurück
Oben