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Warum ist Nitrit eigentlich so schädlich für Garnelen?

Dieses Thema im Forum "Wirbellose" wurde erstellt von Aquata, 27 Oktober 2010.

Beobachter:
Dieses Thema wird von 3 Benutzern beobachtet..
  1. Aquata
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    Aquata GF-Mitglied

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    Aquata 27 Oktober 2010
    Hallo,
    ich wollte einfach mal diese Frage stellen und herausfinden was ihr so für meinungen habt.

    freue mich über jede Antwort
    Aquata
  2. Bernhard E.
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    Bernhard E. GF-Mitglied

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    Bernhard E. 27 Oktober 2010
    Hallo, Ammoniak ist viel schädlicher, bei Fische ist es Nitrit.
    http://www.deters-ing.de/Wasser/nitrit.htm

    Nitrit behindert hormonelle Abläufe bei Garnelen, sorgt z.B. für Fehler bei der Ausschüttung des Häutungshormones Ecdyson.
    Nitrit behindert auch die Jodverwertung und die Aufnahme von Retinol, beide Stoffe sind auch Schlüsselfiguren im Häutungsprozess.
    Lass es dir aber bestätigen, bin gerade vom Mittagsschlaf aufgewacht und trübe in Rübe.

    Grüße
    Bernhard
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  3. Chrisp
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    Chrisp Supermaus

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    Chrisp 28 Oktober 2010
    bestätigt :D
  4. Enrico Rudolph
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    Enrico Rudolph GF-Mitglied

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    Enrico Rudolph 28 Oktober 2010

    Hi

    kleine Berichtigung .... bei Fischen ist es sowohl als auch dh NH3 und NO2 wärend Garnelen NO2 höherer Wert toleriert wird ...
  5. NebelGeîst
    Offline

    NebelGeîst Wiki Autor Wiki Autor

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    NebelGeîst 28 Oktober 2010
  6. Klabauter
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    Klabauter GF-Mitglied

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    Klabauter 28 Oktober 2010
    Moin,

    Nitrit, Nitrit, da schreiben wir gleich mit ... ;)

    Onkel Jan (NiHiL) warf mir ja vor, ich käme nicht auf den Punkt und man könne durchaus mal aus Erfahrung was fluffig in den Raum werfen.

    Da ich ja lernfähig bin, setze ich es doch gleich mal in die Tat um:

    Auch bei Süßwasser-Garnelen gilt - Vorsicht bei Nitrit!

    So, damit kann ich ja gemäß dieser Philosophie das Thema jetzt wieder verlassen - ein hingeworfener Satz ohne Quellen und Begründungen reicht ja hier aus ... :D

    Ich weiß nicht wirklich, warum immer wieder die Behauptung aufkommt, Nitrit wäre für Süßwasser-Garnelen weniger schädlich als für Fische.
    Natürlich entfällt hier der störende Einfluss auf den Sauerstofftransport des Blutes, da hier kein Hämoglobin zu Methämoglobin oxidiert werden kann. Stattdessen übernimmt Hämocyanin den Sauerstofftransport, welches, simpel gesagt, Kupferatome statt Eisenatome eingebaut hat.
    Dennoch gibt es auch hier bei einer ganzen Reihe von Enzymen Eisenverbindungen, die durch Reaktion geschädigt werden.

    Soweit mir bekannt, gründen alle Untersuchungen über die relative Toleranz gegenüber Nitrit auf marinen Dekapoden als Probanden (Chen, J.C.; Ting, Y.Y.; Lin, J.N.; Lin, M.N. / Hong, Meiling; Chen, Liqiao; Qin, Jian G; Sun, Xinjin; Li, Erchao; Gu, Shunzhang; Yu, Na; 2008 / Jiann-Chu Chen, Fan-Hua Nan, 2007).
    Nitrit-Ionen gelangen auch durch körpereigene, aktive Transportmechanismen in den Organismus, die mit der Chloridaufnahme in Konkurrenz stehen.
    Je höher die Chloridkonzentration, desto weniger kann es durch Nitritkonkurrenz verdrängt werden. Deshalb sind höherer Nitritkonzentrationen in Seewasser unproblematischer.

    Zu bedenken ist auch, dass zur Ermittlung der Konzentrationen lediglich eine LC50 betrachtet wurde. Aussagen z.B. über Häutungsprobleme etc. konnten auf Grund des Versuchsablaufes dieser Untersuchungen gar nicht gemacht werden.

    Vergleichende Aussagen lassen sich lediglich über die Abhängigkeit der zeitlichen Aussetzung und dem Alter der Versuchstiere machen: Je länger die Aussetzung der Belastung und je jünger das Tier, desto höher die Sterblichkeit. Je nach Dauer (24 - 168h) und Alter (adult, juvenil, larval) weichen die Konzentrationen um einen Faktor bis zu 20 voneinander ab.

    Sehr interessant dagegen sind Untersuchungen an Gammarus pulex (Ladewig 2004). Bei Fließrinnenexperimenten, welche eigentlich ein anderes Ziel hatten, wurde eine hohe Mortalität der Juvenilen in Zusammenhang mit einer Nitritkonzentration von 0,29mg/l (Beginn der Auffälligkeit bei 0,15mg/l) nachgewiesen - Zeitraum bis t12 des Experimentes.
    Es wird weiter ausgeführt, dass im Vergleich zu den Kontrollfließrinnen in besagter Fließrinne nur 55% der reproduzierfähigen Weibchen in der zweiten Brut Nachwuchs produzierten.

    Weitere Experimente mit juvenilen Exemplaren von G. fossarum zeigen Auffälligkeiten in der Fortpflanzung ab 0,1mg/l. (Reuter 1996).
    Bei Experimenten mit Streptocephalus proboscideus wird eine LC50 (24h) von 0,58mg/l angegeben (Ali & Dumont 1995).

    Weiterhin gilt das, was Bernhard anführte, nämlich eine Störung in der Triggerung der Häutung.
    Inwiefern hier eine zelleigene Oxidation des transportierten Nitrits (s.o.) und dadurch eine nitratbedingte Jodbindung ursächlich ist, entzieht sich hinsichtlich Dekapoden meiner Kenntnis, für ähnliche Abläufe anderer Organismen ist es belegt.

    So, damit Jan seinen Punkt bekommt:

    Viele der Aussagen hinsichtlich gewisser Toleranzen von Süßwasser-Garnelen in Bezug auf Nitrit sind für mich nicht belegt, da andere (marine) Organismen mit differenter Wasserchemie bzw. Auswirkungen dieser auf die Stoffwechselphysiologie den Untersuchungen zugrunde liegen.
    Ferner wurde kaum eine Auswirkung auf Häutungsvorgänge oder Larvalentwicklung in diesen Versuchen untersucht.
    Dennoch sind die Unterschiede in der Wirkung abhängig von Dauer und Alter beträchtlich und sollten zu denken geben.
    Völlig andere Resultate liefern dagegen die Untersuchungen an Gammarus pulex, G. fossarum und Streptocephalus proboscideus. Hier lassen die Ergebnisse sowohl eine Störung im Häutungsprozess als auch im Reife- bzw. Larvalstadium vermuten.

    Was heißt das für uns?

    Nun, manche dieser Messgenauigkeiten fallen für uns Hobbyaquarianer schlichtweg flach. Sorgt für eine funktionierende, biologische Filterung und ein biologisch stabiles Becken. Haltet Nitrit unter der Nachweisgrenze und verwendet sinnvolle Filtermaterialien.

    Nachsatz in diesem Zusammenhang:

    Ammonium ist zumindest hinsichtlich direkter Mortalität noch schädlicher ...
    .

    (dies ist mein Punkt)

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